Warum Telekom Entertain nicht in die Debatte zur Netzneutralität passt

Die Deutsche Telekom hat also angekündigt, ihre DSL Tarife zu limitieren und bei Überschreiten des Limits den Anschluss auf Minimalgeschwindigkeit zu drosseln. Beim Verbrauch soll vor allem der Telekom-eigene IPTV Dienst Entertain nicht mitgezählt werden. Und offenbar bietet die Telekom – natürlich gegen Bezahlung – dann auch anderen Diensten die Ausnahme von dieser Regelung. Mit dem Internet wie wir es kennen hat das dann nicht mehr viel zu tun und es wäre ein großer Fehler, das zuzulassen. Die Gründe dafür sind unter echtesnetz.de sehr schön beschrieben.

Soviel zur Einleitung. Aus technischer Perspektive sieht die Situation von Entertain aber tatsächlich ein wenig anders aus. Da ich bisher keinen Artikel zu der Angelegenheit gelesen habe, der die technischen Unterschiede zumindest erwähnt, möchte ich kurz darauf eingehen.

Die Kurzfassung: Entertain IPTV wird nicht über das Internet übertragen und ist damit mit anderen Streamingverfahren nicht direkt vergleichbar.

Etwas ausführlicher: Über Entertain wird in erster Linie (die on demand Angebote mal ausgenommen) klassisches Fernsehen übertragen, also Kanäle mit dem gleichen Programm für alle zu einer gegebenen Zeit. Da das alles in der eigenen Infrastruktur passiert, nutzt die Telekom das Multicast Verfahren. Anders als bei Livestreams wie z.B. über Sender- oder Eventwebsites oder andere Dienste (wie UStream oder YouTube) muss hierbei vereinfacht gesagt nicht für jeden Zuschauer je eine Verbindung mit dem Server aufgebaut werden. Vielmehr verteilt die Telekom die Streams jedes Kanals nur jeweils einmal zu den sogenannten Konzentratoren und erst von dort aus dann einzeln zu den Kunden. Das hat zwei große Vorteile: 1. müssen die Server den Stream für jeden Kanal immer nur einmal ausliefern, 2. muss das Backbone der Telekom die Streams nur jeweils einmal zu jedem Konzentrator transportieren. Das bedeutet, die benötigte Serverleistung ist im Grunde proportional zur Anzahl der Kanäle und das Backbone muss jeden Kanal nur jeweils maximal einmal zu jedem Konzentrator übertragen. Dazu gibt es noch einige weitere Details, wie z.B. das VLAN-Tagging, welches auf der DSL-Verbindung die Internetverbindung und die Entertain Multicastverbindungen logisch trennt (was dazu führt, das beispielsweise eine Fritz!Box am VDSL-Anschluss das Entertain Datenvolumen auch nicht mitzählt). Mehr verrät die Wikipedia-Seite zu Entertain und die dort verlinkten Referenzen.

Es ist also nicht ohne Weiteres möglich, auf dieser Ebene Entertain mit Diensten wie Sevenload, iTunes, Amazon Instant Video oder auch Zattoo zu vergleichen. In diesem einen Punkt ist  in meinen Augen eher die folgende Überlegung sinnvoll: Angenommen, ein Kabelanbieter wie Unitymedia würde ebenfalls bei Erreichen eines Internet-Datentransferlimits die Bandbreite drosseln. Wäre es dann richtig für diesen Anbieter, zusammen mit der Drosselung auch das Fernsehen (und ggf. Telefon) für diesen Anschluss zu sperren?

Ich persönlich find es daher richtig und wichtig, die Telekom für Pläne wie die offenbar geplanten “Managed Services” (ein Diensteanbieter wie YouTube bezahlt die Telekom dafür, dass sein Dienst von der Drosselung ausgenommen bzw. der verbrauchte Datentransfer nicht gezählt wird) zu kritisieren und dagegen zu arbeiten. Ebenso halte ich die Drosselung selbst für den falschen Weg. Auf der anderen Seite sollte die Kritik sachlich korrekt bleiben. Ich hoffe, dieser Beitrag hilft dabei ein wenig.

3 Comments

  1. Konrad · 04.05.2013

    Ich glaube kaum, dass irgend jemand außer die Telekom, diesen Schritt befürwortet. Bin gespannt, wie es in dieser Sache weiter geht und ob das Ganze vielleicht doch gestoppt werden kann.

  2. Pottblog · 29.04.2013

    Deutsche Telekom: Wird bald nicht nur Neukunden, sondern auch 11 Millionen Altkunden das Breitband-Internet gedrosselt? #Drosselkom…

    Die Kurzfassung (tl;dr): Telekom-Drosselung des Breitband-Internets gilt ggf. auch für Altkunden wg. “Vertrags-Tricks” bei IP-Umstellung #Drosselkom Inzwischen diskutiert die halbe Republik über die Pläne der Deutschen Telekom AG1 eine D…

  3. Pottblog · 24.04.2013

    Links anne Ruhr (24.04.2013)…

    Duisburg/Essen: Staatsanwaltschaft durchsucht den AStA der Universität Duisburg-Essen (Ruhrbarone) – Siehe auch: DerWesten. Castrop-Rauxel: Stadtwerke sind „begehrte Braut“ (Westfalenpost.de) – Essen/Mülheim an der Ruh…

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